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Interview zu meiner Tätigkeit

Heute war Miriam Bastisch bei mir für ein kurzes Interview zu meiner Tätigkeit. Wir haben es mitgeschnitten und oben eingebunden als Podcast. Hier das ganze in Textform.

Miriam: Liebe Susanna, seit ungefähr 8 Jahren berätst Du Leute, wie sie Ihren Wohnraum schöner gestalten können. Du nennst Dich selber Agentin für Schönheit. Was bedeutet Schönheit beim Einrichten für Dich?

Susanna: Meine Motivation ist es, Räume schöner zu machen. Ich komme oft irgendwo hin und die Dinge wirken unruhig oder zu voll oder es fehlt einfach etwas, dass man sich behaglich fühlt. Das ist etwas, das mir Kunden oft sagen. Sie sagen, sie wissen gar nicht genau woran es liegt, aber irgendwie ist die Atmosphäre nicht so, dass sie sich wohlfühlen. Meine Erfahrung zeigt, dass wenn man ganz ruhig erst mal anfängt zu sortieren und die Schönheit des Raums zu erkennen, man die Atmosphäre verbessern kann. Dass die Leute sich wohler fühlen. Und ich nenne es einfach Schönheit, weil der Begriff viele verschiedene Aspekte in sich trägt.

Miriam: Wieso reicht es nicht, wenn ich mir zu Hause drei „Schöner Wohnen“ Magazine anschaue, mal durchblättere und mir Inspirationen hole. Was ist der Unterschied zu Deiner beraterischen Leistung?

Susanna: Ich sag als Beispiel immer, das ist, als wenn man eine Frisur in einer Zeitschrift sieht und zum Frisör geht und sagt „Die hätt ich gern“. Es fehlt sozusagen noch der Link zu Deiner eigenen Persönlichkeit, die manchmal einem selber schwerfällt zu sehen. Es hilft, wenn man als Externer da reinkommt und das aufdecken kann. Es hilft natürlich, wenn man sich klar wird über Wohnmagazine, was für ein Stil einem gefällt. Das  ist wichtig, aber die Übertragung auf die eigenen vier Wände, das ist dann mit einer Hilfestellung leichter.

Miriam: Wie muss ich mir das vorstellen? Wenn ich Dich anfrage für eine Beratung, wie gehst Du dann vor?

Susanna: Ich komme rein und lerne dann in den meisten Fällen die Menschen erst einmal kennen und  kriege erzählt, was es für Probleme gibt oder wo es Bedarf gibt. Dann entwickle ich im Gespräch direkt Lösungen, sage, was mir sofort auffällt, wenn ich in einen Raum hinein komme. Meistens starten wir, dass wir erst mal gemütlich sitzen und ein bißchen erzählen, aber es geht ganz schnell dazu über, dass ich anfange, Dinge zu bewegen im Raum. Ich schiebe dann auch schon direkt Möbel oder hänge Bilder ab und um. Wir simulieren verschiedene Situationen – einfach immer in der Bewegung sein. Wenn mich zum Beispiel jemand nur für ein Wohnzimmer bucht und mir fällt dann auf, dass  im Entree oder im Flur schon irgendetwas nicht stimmig ist, dann lösen wir das im Gesamtkontext.

Miriam: Und was macht dann die Agentin aus? Klingt so ein bißchen nach einer Mission, die Du erfüllst. Was macht Dich dann am Ende glücklich, wenn Du so ein Projekt gemeistert hast mit Deinen Kunden? Und was ist der schönste Moment beim Kunden selber, wo Du denkst „Ach, das hat jetzt aber wieder Spaß gemacht und hier hab ich was bewegt“?

Susanna: Der Begriff Agentin ist natürlich ein bißchen provokant gemeint. Er ist als Untertitel entstanden, als ich mir klar gemacht habe, dass ich anders sein möchte und anders bin als viele meiner Kolleginnen und Kollegen. Weil mich wirklich das Zusammenspiel aus Psychologie und Architektur interessiert. Mich interessiert der Mensch, für den ich etwas mache. Es gibt keine Handschrift, die ich hinterlasse. Insofern bin ich als Agentin auf den Spuren meines Gegenüber und untersuche, was denn für ihn das Richtige ist.

Für mich ist es nicht wichtig, dass ich aus einem Raum rausgehe und man hat nachher ein Vorzeigefoto, das man veröffentlichen kann. Mich interessiert, dass sich die Räumlichkeiten so verbessert haben, dass der Mensch dort zufriedenen ist. Das Schönste  für mich ist natürlich, wenn mich Kunden mehrfach buchen, weil Sie einfach spüren „Das war toll, das brauchen wir  jetzt an einer anderen Stelle.“ Das ist für mich das schönste Kompliment. Klar: wenn es weitergeht. Denn Wohnen ist auch immer ein Prozess. Und manchmal verändern sich Dinge und man kommt wieder an den Punkt, an dem man sich sagt: da brauche ich nochmal Unterstützung.

Miriam: Wie ist die Variation in Deiner Projektlandschaft? Inwieweit lässt sich das skalieren mit Deinen Leistungen? Kann ich Dich auch fragen „Ich möchte gerne meine Küche anders eingerichtet haben, möchte aber nicht viel anschaffen“? bis zu „Ich will mein ganzes Haus mal aus Deiner Sicht umgekrempelt haben“. Wie breit ist der Horizont?

Susanna: Ich sage immer, für mich gibt es kein Problem, das zu klein ist. Ich stell mich da jeder Fragestellung. Und dadurch, dass ich schon so viele Jahre als selbständige Architektin arbeite, habe ich  von der Bandbreite schon so viel gesehen, dass ich tatsächlich genauso gut nur berate, z.B. welches neue Sofa das Richtige ist. Ein Möbelverkäufer wird nicht so ideal das Richtige beraten können, weil er nicht vor Ort ist und nicht die Raumsituation einschätzen kann. Das Spektrum geht bis hinzu Situationen, wenn Menschen ein Haus erben und nicht wissen, ob es das richtige Haus für Sie ist. Bevor überhaupt Gutachter an den Start gehen ist es ja zunächst entscheidend, hat dieses Haus etwas mit Deinem Leben zu tun hat und ob Du es für Dich und Deine Familie verwerten kannst. Das sind so die Größenordnungen. Nach oben offen – klar.

Miriam: Und beschränkt es sich dann auf Einrichtung oder geht es auch darum, mal Lichtverhältnisse komplett zu ändern? Nochmal Hand anzulegen. Oder wo hört die Leistung auf?

Susanna: Aus meiner Sicht hört die Leistung dann auf, wenn das Projekt beendet ist. Es ist so, dass meine Stärke sicher in der Konzeptfindung liegt. Ich begleite kleinere Maßnahmen gerne und wenn es um große Projekte geht, wo Bauanträge eingereicht werden müssen und Bauleitungen vollbracht werden müssen, finden wir immer eine Lösung. Ich habe ein gutes Netzwerk von Architekten und Ingenieuren, die mit ins Boot genommen werden. Das ist alles kein Problem.

Miriam: Das heisst, Du kannst auch die erste Instanz sein, mit der man startet und auch ein Gefühl dafür entwickelt, was ist möglich in diesem Raum. Und wenn der Bedarf da ist auch ins Größere geht?

Susanna: Genau.

Miriam: Möchtest Du abschließend noch irgendwas loswerden?

Susanna: Vielleicht einfach mal ein Beispiel für einen Auftrag, der mich besonders erfreut hat. Mir machen alle Spaß, aber wo ich so wirklich schmunzeln musste. Das war einer meiner ersten Buchungen und das war fast schon ein Anwesen. Das lag einsam in einem Wald mit einer großen Kiesvorfahrt und ich war schon sehr beeindruckt, was jetzt kommt. Und dann stand dort ein moderner Betonbau mitten im Wald – sehr expressiv. Von einem guten Architekten. Und dann sagte die nette Dame, die mich beauftragt hatte: “Sie müssen sich gar nicht sorgen. Unser Architekt ist heute nicht da. Aber wir können uns ganz gerne mal den Rohbau angucken.“ Und dann war ich verwundert. Dann habe ich Sie gefragt, wieso sie dann mich beauftragt hat. Wenn sie doch einen Architekten hat. Und dann hat sie gesagt: „Ach, die sind alle so mit diesem ganzen Rohbaukram beschäftigt und er hat gar keine Zeit mir zuzuhören. Und ich möchte schöne Bäder haben.“

Und dann habe ich für dieses Haus 5 Bäder geplant. Und habe dann nur Skribbel gemacht, also kleine Handskizzen. Und diese sind dann umgesetzt worden von dem schon längst beauftragten Architekt. Und das war toll. Das ist die Essenz meiner Arbeit. Ich nehme mir Zeit und erspüre die Prozesse. Und das kann ich nur, weil ich frei bin und nicht unter Druck stehe.

Miriam: Klingt gut. Dann vielen Dank für das Gespräch. Und wir sind gespannt, was Du so alles in Deinem Blog berichten wirst.

Susanna: Ich freu mich drauf! Bis bald.

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